
Anfangs gab es viel formellen Kram, Papier und Visa-Angelegenheiten.
Vor einigen Tagen habe ich euch Ben Jaimen in diesem Portrait kurz vorgestellt. Der Deutsche Sänger mit israelischen Wurzeln wuchs in Berlin auf und lebt seit knapp einem Jahr in Los Angeles. Dort will er im US-Musikmarkt Fuss fassen. Ben arbeitet zurzeit an seinem Debütalbum. Im Interview mit miwi.ch erzählt der Auswanderer über den schwierigen Start in den USA, seinen Auftritt als Teenager mit Michael Jackson, Silvester in Berlin und über die Songs seiner Debüt-EP „Through The Universe“.
miwi.ch: Ben, bald wirst du wiederum in Berlin bei der grossen Silversterfeier auftreten. Was bedeutet es für dich, einmal mehr in der Heimat musikalisch ins neue Jahr zu starten?
Ben Jaimen: Ich freue mich riesig auf den Auftritt am Brandenburger Tor. Die Vorstellung, meine neusten Songs vor so einer Masse zu performen, verschafft mir richtig Gänsehaut. Wenn ich Songs schreibe, habe ich schon beim Komponieren eine Vision davon, wie es ist, diese vor einem großen Publikum zu singen. Das ist sehr inspirierend, und natürlich toll, dass es zu Silvester mein „Heimat“-Publikum sein wird.
Deine Heimat ist nun aber Los Angeles. Wie hast du dich eingelebt?
LA ist eine fantastische Stadt, und um so länger ich hier bin, umso mehr gefällt sie mir. Was mich am meisten fasziniert sind die vielen Möglichkeiten, gerade im Bereich Musik und Entertainment. Es gibt hier grandiose Musiker, und es ist immer wieder eine Freude zu erleben, wie leidenschaftlich und hilfsbereit man hier auch als Newcomer unterstützt wird.

Warum hast du dich entschieden, den Versuch zu wagen, in den Staaten Fuss zu fassen?
Ich bin in einem sehr multikulturellen Umfeld aufgewachsen, spreche von Kind auf mehrere Sprachen und Amerika hat mich schon immer fasziniert. Dazu kommt natürlich auch, dass ich seit meinem fünften Lebensjahr Musik mache und amerikanische Popmusik immer ganz oben auf meiner Liste stand. Der US-Markt ist weiterhin der stärkste Musikmarkt der Welt und mein Traum war es, ganz nah an diese Quelle zu kommen.
Die Geschichten der Menschen um mich herum haben einen enormen Einfluss auf meine Musik.
Du hast zuvor in Bordeaux, Tel Aviv, London und Buenos Aires gelebt. Welchen Einfluss hat dieses „Weltenbummeln“ auf Deine Musik?
Die Geschichten der Menschen um mich herum haben einen enormen Einfluss auf meine Musik. Da hilft es natürlich sehr, wenn man unterschiedliche Nationen und Kulturen mit auf den Weg bekommt. Meine Reisen und verschiedenen Heimatsorte haben aber auch meine eigenen Erfahrungen und Lebenseindrücke stark geprägt, und eine wunderbare Quelle der Inspiration gebildet.
Wie schwierig war der Start in den USA?
Anfangs gab es viel formellen Kram, Papier und Visa-Angelegenheiten. Dazu gab es natürlich auch persönliche Herausforderungen, denn jedes neue Land bzw. jede neue Stadt hat seinen eigenen Rhythmus, und in den muss man sich zunächst einleben. Gleichzeitig ist es für mich wahnsinnig spannend und aufregend immer wieder neues zu entdecken.
Musik gehört für mich zum Leben wie Essen oder Atmen.

Was war das schönste Erlebnis, dass du bisher in Amerika hattest?
Ich bin sehr begeistert von der Musikszene und der Zusammenarbeit unter den Musikern. Als ich mein allererstes Konzert hier in LA hatte, habe ich mit Musikern gespielt, die normalerweise mit Grössen wie Jennifer Lopez, The Jacksons oder Bruno Mars auftreten. Das ist hier aber ganz üblich so. Man macht kein grosses Ding draus, mit wem man schon alles auf der Bühne war. Der Einsatz und die Leidenschaft für die Musik bleiben gleich.
Du hast mit sechs Jahren angefangen Klavierstunden zu nehmen. Was bedeutet Dir die Musik?
Es klingt klischeehaft, stimmt aber: Musik gehört für mich zum Leben wie Essen oder Atmen. Ich wache jeden Morgen auf und denke an Musik, habe sie im Kopf – bewusst oder unbewusst. Ich denke, es ist für mich die beste Art zu kommunizieren, denn ich kann durch sie Gefühle besser zum Ausdruck bringen. Es gibt den Spruch „Musik ist die Sprache der Seele“ und ich bin überzeugt davon, dass das stimmt. Denn ich kenne keine andere „Sprache“, die so global gesprochen wird. Musik kann Herzen berühren und öffnen. Ich finde das wunderbar.
Michael Jackson war schon immer eines meiner grössten Idole.
Wie war es mit Michael Jackson auf der Bühne zu stehen? Wie kam es überhaupt dazu?
Das war eine unglaubliche und unvergessliche Erfahrung, allein deswegen, weil Michael Jackson schon immer eines meiner grössten Idole war. Ich habe bei einer Art Talentshow gewonnen und wurde zu einem der Michael Jackson Konzerte bei seiner Tour durch Deutschland eingeladen. Zum großen Finale sang er den Song „Heal The World“, und ich war eines der Kids die mitperformten.
Im Herbst erschien deine erste EP „Through The Universe“. Was bedeutet dies für Dich?
Ich bin sehr dankbar und auch stolz auf das, was mein Produktions-Team und ich kreiert haben. „Through The Universe“ beschriebt wie der Name schon andeutet eine Reise – in dem Fall eine ganz persönliche. Ich habe mir enorm viel Zeit für diese EP genommen, angefangen von der Songauswahl bis hin zur Produktion von jedem einzelnen Element das zu hören ist. Alle Songs wurden durch persönliche Geschichten und Erfahrungen inspiriert; viele, die ich auch auf meinen Reisen erlebt habe. Es ist ein tolles Gefühl wenn du miterlebst, wie die eigenen Songs, die einst auf dem Klavier als Idee entstanden sind, plötzlich zum Leben erwachen.
„Ben, wir hören zu viel von deinen Füssen“
Erzähl uns etwas mehr über die sechs Songs.
„Satellites“, der erste Song auf der EP und gleichzeitig die erste Singleauskopplung. Er beschreibt den Spirit und die Message der gesamten Platte. Ein sehr moderner und mitreissender Pop/Rock Song, bei dem es um Freude, Ekstase und letztendlich um eine universelle Liebe geht; eine Liebe, die jeder, der den Song hört, für sich bestimmen soll. „Not A Man For Sale“ spricht über die Vorstellung, was Menschen bereit sind zu tun, um dem ganz grossen Erfolg zu bekommen, selbst wenn das bedeuten würde, seine eigene Seele zu verkaufen. Obwohl es ein sehr ernstes Thema ist, spiegelt die funkige Musik und Atmosphäre innerhalb des Songs eher einen gewissen Witz und eine Verspieltheit wieder, was das ganze sehr entertainent macht. „Tokyo“ hat eine ganz besondere Entstehungsgeschichte. Inspiriert wurde ich durch einen Zeitungsartikel, bei dem eine Japanerin interviewt wurde, die alles verloren hatte, nachdem Japan von der schrecklichen Fukushima-Katastrophe heimgesucht wurde. Was mich dabei am meisten bewegt und irgendwo auch fasziniert hatte, war ihr Hilferuf an die eigenen Mitmenschen und an eine Gesellschaft, die, so hatte sie es beschrieben, eher daran interessiert war, ein starkes und sicheres Bild von Japan an die Aussenwelt zu senden, anstatt sich um die teilweise zerstörten Seelen der Menschen zu kümmern. Ich habe mich selbst in den Emotionen und der Vorstellung verloren, wie es wohl sein muss, alles zu verlieren. Der Song hat viele düstere Elemente, es ist ein Gemisch aus dunklen Emotionen und der Sehnsucht nach Freiheit und Frieden. „Die For You“ ist eine Klavier basierende Pop/Rock Ballade, die über eine verflossene Liebe spricht und gleichzeitig darüber, wie es ist, wenn man feststellt, dass es sich viel mehr lohnt, das Leben zu leben, anstatt einer kaputten Liebe hinterher zu trauern. „Devil With The Dice“ hat eine gewaltige Energie, die mich während der gesamten Aufnahme des Songs gepackt und zum Tanzen gebracht hat. So sehr, dass die Leute hinter dem Mischpult dauernd riefen: „Ben, wir hören zu viel von deinen Füssen“. Am Ende haben wir es doch so gelassen, es passte einfach zu dem Stil des Songs, bei dem es um leidenschaftliche und gefährliche Spiele mit dem Feuer geht. „Piece of Me“ ist wohl der persönlichste Song von allen. Beim Schreiben und Aufnehmen wusste ich, dass ich den Zuhörer in eine ganz tiefe Ecke meines Herzens lassen werde. Aber genau das braucht so eine Ballade. Die Vorstellung, dass es Menschen da draussen gibt, die Ähnliches erlebt haben und in diesem Song vielleicht ein wenig Heilung finden können, motivierte mich noch mehr.
Was wünscht Du Dir für das neue Jahr?
Ich wünsche mir für das neue Jahr, dass es für alle Menschen das beste Jahr aller Zeiten wird. Und dass wir in der Lage sein werden, in jeder Herausforderung, die auf uns zukommt, eine Chance zu sehen, anstatt einen Stein im Weg. Ausserdem wünsche ich mir, dass ganz viele Menschen meine Musik kaufen und ich sie mit auf meine Reise nehmen kann, „Through The Universe“!
Die EP von Ben Jaimen ist hier auf iTunes erschienen. Mehr über den Künstler gibt es unter benjaimenmusic.com.
